Brotha Lynch Hung
»Dinner and a movie«


Unsere Wertung:


 Lina am 21.05.2010 14:54
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Es ist immer schwer, einen für mich unbekannten Rapper zu beurteilen. Brotha Lynch Hung jedoch ist ein Künstler, mit dem man sich einfach beschäftigen muss. Mit seinem Debüt auf einem neuen Label - nämlich dem von Tech N9ne - welches den Namen „Dinner and a movie“ trägt, bringt er Nummer eins von drei geplanten Konzept-LPs. Hintergrundstory hier ist ein besonders kreativer MC, der gerne Filme schaut – Horrorfilme. Jeder Track erzählt von einer Szene aus einem dieser Filme.

„I don’t have to kill anyone. I just think it. It’s all up here. Believe me, if I started killing anyone, there’d be none of you left” heißt es bereits im Intro. Klare Worte, die dennoch etwas nach Rechtfertigung seiner harten Texte klingen. Schließlich beschäftigt sich Lynch mit Themen, die bei der breiten Masse wohl keinen Anklang finden, gar auf Verachtung stoßen werden.

Dieses Risiko scheint der MC jedoch in Kauf zu nehmen. Und er kann es sich leisten: Seine Tracks klingen vollkommen, alles passt: Er überzeugt mit einem Flow, der sich perfekt mit den Beats zusammenfügt. Alles klingt perfekt arrangiert. Mit 22 Titeln lässt das Album auf große Vielseitigkeit hoffen. Die vielen Skits – insgesamt sieben an der Zahl – bremsen dies aber etwas aus. Textlich geht es für meinen Geschmack etwas zu makaber zu – Fans von Horrorrap werden beispielsweise bei „Murder over hard“ aber auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen.

Vielseitigkeit beweist Lynch jedoch vor allem bei der musikalischen Umsetzung auf dem Album: Tracks wie „D.O.A.“ beweisen definitiv Potential, ein größeres Publikum zu begeistern. Ein weiteres Highlight ist der stark depressiv klingende Song „I tried to commit suicide“, in dem ein Selbstmordversuch beschrieben wird. In der ersten Single „Meat“ werden ruhigere Töne angeschlagen, die ein wenig an Q-Unique erinnern. Interessant ist auch „Siccem!“, wo schon der Beat gewalttätig klingt – ein Track, bei dem ich mich unweigerlich an Psychofilme wie SAW erinnert fühlte. Ebenso brutal angehaucht sind „Nuttbag“ und „I hate when ni**az get on the phone when they aroung me“, die als Gesamtkunstwerke jedoch trotzdem zu den Höhepunkten des Longplayers zählen. Zum Ende hin gibt es auf „Anotha killin“ mit Snoop Dogg und Kurupt noch zwei Überraschungsfeatures.

Weniger gute Tracks gibt es auf „Dinner and a movie“ – wenn man von den zahlreichen Skits absieht – nur selten. So finde ich beispielsweise zu „Sit in that corner b*tch“ nicht so recht Zugang.

Ob Brotha Lynch Hungs LP hochwertig ist? Auf jeden Fall. Ob der Künstler Potential hat? Das steht außer Frage. Jedoch wird Lynch mit seinem Stil nur eine sehr kleine Fangemeinde finden, was ich persönlich schade finde. Dennoch: Mit „Dinner and a movie“ wurde wahrscheinlich eines der besten Konzeptalben des Jahres geschaffen. Und wer mit düsteren, makaberen Texten etwas anfangen kann, ist mit diesem Album definitiv mehr als gut beraten.


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