Andre vom 22.11.2009 13:14
Nefew
»Den Weg zum Erfolg musst du selbst gehen!«

Es ist aber auch zum Verzweifeln. Egal was ausländische Acts auch versuchen, den wirklich großen, internationalen Erfolg erreichen sie nie. Doch woran kann das nur liegen? RapSpot.de machte sich auf die Suche nach Antworten und besprach diese Frage mit Nefew, einem Schweizer Rap-Duo, das es wissen muss, denn sie haben es bereits geschafft. Egal ob Respekt aus den USA oder einem Deal mit Puma. All dies haben sie in der Tasche und verraten nun, wie es klappt.

Zur Diskussion im Forum



Nun werdet ihr vielleicht auch einige deutsche Rapper kennen. Was fehlt diesen eurer Meinung nach, um auch international Erfolg zu haben? Die Sprache kann es ja dann wohl nicht sein.

Polemikk: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich seit „4 gewinnt“ von den Fantastischen Vier, Curse’ ersten Albums und Nico Suave kein bisschen mehr mit deutschem Rap befasst habe. Ich bin ein großer Fan von Freundeskreis, und kann mir nicht vorstellen, warum ihre Musik nicht auch in Amerika Fuß fassen könnte. Im Endeffekt hat es wohl einfach damit zu tun, dass man einfach nicht gewillt ist, genügend Werbebudget in ein Projekt zu investieren. Ferner sind ja noch unzählige labelinterne Barrieren zu meistern. Auch wenn es die gleichen Label sind, stehen sie ja zueinander im Wettbewerb. Es wird niemals möglich sein, das wir als Nefew bei Universal Schweiz gesigned wären, und unser Album auch über Universal Amerika rauskommen würde. Dazu hat das Major in der Schweiz einfach zu wenig Macht. So ist es wohl auch mit den deutschen Labels. Aber mit der Sprache hat das überhaupt nichts zu tun. Wenn irgendjemand ein geiles deutsches Stück hören würde, und dieser sitzt per Zufall irgendwo im Hauptsitz des Labels, dann sollte dies ja überhaupt kein Ding sein. Wichtig ist einfach, in welche Richtung die Musik fließt. Wir haben in der Schweiz extrem viele talentierte Künstler, auch Englisch sprechend, hat man die jemals irgendwo sonst gehört? Nein, weshalb? Weil die Labels in der Schweiz einfach null Macht haben. Aber wir in der Schweiz hingegen hören in den Radios absolut alles, von Schweden zu Holland, Afrika zu Südamerika. Von überall erreicht die Musik die Schweiz. Aber andersrum geht das irgendwie einfach nicht. Politics and Bullshit! Das ist alles.

In eurem Song "Biko" verwendet ihr ein sehr bekanntes Zitat von Frederick Douglass, „If there is no struggle there is no progress…”. Wie interpretiert ihr diese Aussage?


Polemikk: Ich denke nicht, dass diese Aussage viel Raum für Interpretationen lässt, genau aus diesem Grund ist sie ja so extrem wichtig und relevant. Wenn man nicht bereit ist, was aufzugeben oder zu opfern, dann kann man nicht erwarten, Fortschritte zu machen. Diesen Satz kannst Du im Endeffekt auf das ganze Leben übertragen. Von der Musik bis ins Studium, von der Arbeit bis hin in die Freizeit. Es ist einfach eine allgegenwärtige Maxime. Wenn man sich 100% auf die Musik konzentrieren will, fordert dies seinen Tribut. Man kann nicht nebenbei noch tausend Sachen machen, und trotzdem Fortschritte in der Musik erwarten. Das sehe ich besonders jetzt, wo mir einfach für unzählige Sachen das Geld fehlt, weil ich jetzt von der Musik leben muss. Das ist kein Spaß, das ist Hustle pur. Aber ich habe mich dafür entschieden, weil mich das selbst anspornt, mehr zu machen und weiter zu kommen. Dies ist der Preis, den man bezahlen muss. Wenn du was willst, musst du dich der Sache 100% hingeben, ob Studium, Familie, Partnerschaft, einfach alles. Ohne Leidenschaft und Hingabe fällt alles auseinander, ganz einfach. Die Anlehnung an Steve Biko im Stück soll einfach auf diese Notwendigkeit hinweisen. Guck mal im Endeffekt ist es ganz einfach, wenn du wirklich was willst, da musst du alles daran setzten, dies zu erreichen. Es ist eigentlich das einfachste auf der Welt. Du brauchst dich nur zu entscheiden.

Reden schwingen konnten ja schon viele, doch was macht ihr wirklich dafür, dass dieser Satz weiter besteht und seine Intention umgesetzt wird?


Polemikk: Gegenfrage: Wie kannst du jemanden überzeugen, seine Bequemlichkeit hinter sich zu lassen und auf alles zu verzichten, nur damit er seinen Traum leben kann? Oder wie willst du jemandem klar machen, dass es gut ist, für eine Idee zu sterben? Das kann ich nicht, das kannst du nicht, das wird niemand können. Jeder muss dies im Endeffekt für sich selbst entscheiden. Je stärker dein Traum und dein Glaube an diesen Traum ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass du alles in die Wege leiten wirst, um diesen Traum auch effektiv zu leben. Alles was wir machen können, ist, diesen Weg selbst zu gehen, damit andere sehen können, was wir erreicht haben. Und wer weiß, vielleicht fühlen sich andere dadurch inspiriert. Dann hätten wir ja unsere Rolle als Antiheros bereits erfüllt, nicht?