Jan vom 14.03.2010 13:12
Stieber Twins
»Früher war anders, nicht besser«

Startschuss für die Nostalgie Woche auf RapSpot.de und wir beginnen direkt mit dem vielleicht nostalgischstem Duo Rapdeutschlands: Den Stieber Twins. Lange bevor in Berlin, Hamburg oder Frankfurt jemand Reime schrieb veröffentlichten die beiden Heidelberger Brüder bereits über Mzee-Records ihre ersten Platten – passend zur Zeit natürlich vorrangig auf Vinyl. Wir sprachen mit Martin Stieber aka. Martin Jekyll, in seinem HipHop- und Graffiti-Store in Heidelberg, über die Anfänge von den „Stieber Twins“, den Klassiker „Fenster zum Hof“ und wie er Rap heute gegenüber steht. Außerdem erfahren wir welche Künstler die Musik von den Stiebers beeinflusst haben und vieles mehr – der perfekte Einstieg in die Nostalgie-Woche.

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Gäbe es irgendeinen bestimmten Künstler, egal ob aus Deutschland oder den USA oder einem andere Land, mit dem du gerne mal arbeiten würdest oder gearbeitet hättest?

Im Moment? Also im Moment gibt's wenig, mit denen ich unbedingt Arbeiten will, früher war ich da Feuer und Flamme und hab immer gedacht "Geil, Wu-Tang Clan", deshalb haben wir beim Tomekk mitgemacht ["Ich lebe für Hip Hop" von DJ Tomekk, GZA, Curse und den Stieber Twins, Anm. der Redaktion], das war das Argument damals. Aber im Endeffekt würde ich eher kucken, dass ich wieder so Leute wie die Cora E oder den Torch auf mein Album bringe, bevor ich anfange, mit den Amerikanern hausieren zu gehen. Früher hat man halt zu den Leuten aufgeschaut, heute macht man eher was mit den Leuten, mit denen man Gemeinsamkeiten hat, und das sind halt die Cora oder der Torch, und nicht irgendwelche Dritte, mit denen man nichts zu tun hat, nur weil man sie gut findet. Also wie gesagt, ich würde eher vor der eigenen Tür kehren als in Amerika hausieren zu gehen… Und denen noch ein Schweinegeld zu bezahlen! Früher ging das aus freien Stücken. Früher waren ja superviele Amerikaner da, ob das jetzt die Arsonists oder Shabazz The Disciple, mit denen wir Zeug gemacht haben. Das waren keine gecasteten Leute, wo man gesagt hat "Ihr kriegt jetzt 8000, 9000 Pfund oder Dollar, damit ihr rüberkommt und mit den Stiebers nen Song macht". Ich finde, das ist nicht wirklich der Grundgedanke.

Beim Hip Hop Open standest du mal wieder auf einer großen Bühne. Wie war es mal wieder vor so einer Kulisse aufzutreten? Und dann auch noch mit Torch, Toni L und Cora E?

Also wir treten relativ viel auf! Das kriegt man vielleicht nicht so mit, aber wir waren jetzt am Wochenende im Cassiopeia in Berlin, da waren wieder 1000 Leute, wir waren in Leipzig, da waren über 1000 Leute, wir treten überall auf, bloß halt nicht hier in der Region, deswegen kriegen die Leute das nicht so mit. Du kannst es ja googeln, wir sind schon unterwegs. Also das Hip Hop Open war schon cool, wir hatten aber schon bessere Auftritte. Wir waren auch nur ganz kurz dran, und das Problem war, dass der Sound völlig in die Hose ging. Du hast den Beat nicht gehört, was alles so ein bisschen in Mitleidenschaft gezogen hat. Ich weiß auch nicht, an was das lag aber von der Soundtechnik her war das irgendwie gewollt du nicht gekonnt. Das Hip Hop Open war ein geiler Abend und es hat Spaß gemacht, dabei zu sein und ein Teil von so einem großen Event zu sein aber wie gesagt, wir sind z.B. vor zwei Jahren mit La Familie auf dem Splash aufgetreten und da hats richtig gescheppert! Da haben wir ne Dreiviertelstunde gespielt und es war einfach eine ganz andere Atmosphäre. Es war nicht mittags um Halb zwei sondern abends um sieben, es war ne ganz andere Crowd, die kam, um DICH zu sehen und stand nicht nur da und wartete auf die anderen. Also das Hip Hop Open Ding war eine super Sache, ich fand toll, dass es Hip Hop Open MINDED war, nicht so festgefahren auf Hip Hop sondern ein bisschen breiter gefächert. Aber ja, es war halt ein Auftritt von vielen, nichts, woran ich mich in zehn Jahren noch zurückerinnere und denke, das war der größte Kracher. Es war halt ein Auftritt vor einer großen Menge, mehr nicht.