Andre vom 17.02.2010 19:53
Kool Savas
»Danach hat es sich ausgebellot!«

Erwecke den Bello in dir. Noch einmal versucht Kool Savas in diesem Jahr auch den letzten noch auf seinem Sitz hocken gebliebenen Hörer zu motivieren, seine wahrscheinlich letzte "John Bello Story"-Tour zu besuchen. Und hier soll, wie für Savas üblich, wieder einmal richtig aufgefahren werden. Im Interview mit RapSpot.de sprach die kürzlich erneut von der Juice zum "King Of Rap" ernannte Legende über das anstehende Release "John Bello Story III", den Entstehungsprozess zu diesem, seinen Interneterfahrungen mit unter anderen Farid Bang und natürlich die Zukunft.

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Hallo Savas. Danke, dass du dir ein wenig Zeit genommen hast für dieses Interview. Wie geht’s dir?

Mir geht’s eigentlich gut. Ich bin sehr, sehr erschöpft. Ich hab’ eine 15-Stunden-Autofahrt hinter mir. Und ich hab’ nur zwei, drei Stunden gepennt, bin sau müde, geb’ den ganzen Tag Interviews, aber ich bin froh, weil heute die Masterabgabe von „John Bello“ ist und ich bin froh, das hinter mir zu haben.

Mittlerweile bist du ja ein alter Hase im Geschäft. Kann man da noch aufgeregt sein vor so einer Veröffentlichung?

Soll ich ehrlich sein?

Natürlich.

Nein.

Gar keine Anspannung mehr dabei?

Null. Ganz ehrlich. Ich les’ mir durch, wenn’s rauskommt, was die Hater auf „Mzee“ zu sagen haben und reg’ mich darüber kurz auf und danach ist das Thema für mich auch gegessen. Unterm Strich bin ich vor jedem Auftritt mehr aufgeregt als bei der Veröffentlichung des Albums. Also, ich hab’ mein bestes gegeben, mehr kann ich jetzt nicht machen. Und wenn’s denen dann jetzt nicht gefällt, dann ist es Pech.

Die Fans rechneten eigentlich zunächst mit dem „MMS“ Album als nächster Veröffentlichung. Nun erscheint doch erst „John Bello Story III“. Ist die Trilogie, also die Reihe, damit jetzt abgeschlossen?

Ja, die Trilogie ist abgeschlossen und jetzt ist Platz für neues. Ich denke, auch im Rahmen der Tour werden wir die Möglichkeit haben, noch mehr auf Moe und auf „MMS“ hinweisen zu können und die Leute darauf noch mehr vorbereiten zu können. „Bello“ hat sich jetzt erst mal „ausgebellot“ und mal schauen, was dann das nächste wird.

Deshalb dann auch zuerst die Veröffentlichung der „John Bello Story III“. Um einfach noch einmal ein wenig Promotion für „MMS“ zu machen?

Ja, definitiv. Das war definitiv ein Grund. Und „Bello“ ist einfach ein gutes Tun für uns, bestimmte Sachen zu machen und natürlich auch unter anderem Geld zu verdienen. Das ist ja auch noch mal ein wichtiger Aspekt, jetzt wo wir auch gucken müssen, dass wir auch alles selber finanzieren und ich denke, dass kann „MMS“ nur helfen.

Steht „MMS“ damit also nach „John Bello Story III“ ganz oben auf der Relevanzskala oder kommt noch etwas davor?

Nein, „MMS“ steht ganz oben. Da wird’s auch nichts mehr geben. Nach „Bello“ werde ich auch keine Features mehr aufnehmen oder irgendsowas. Alles andere interessiert mich auch nicht mehr. Ich werd’ jetzt nur noch „MMS“ machen.

Also ist „Kämmerchenarbeit“ angesagt?

Ja, wir haben ja schon so viel gemacht. Wir haben jetzt 18 Tracks oder so. Und es geht ja noch weiter. Und „Kämmerchen“ weiß ich nicht. Wir werden mal schauen. Wir werden ja auch noch auf Tour gehen, aber ich glaube einfach, mit der Zeit werden sich auf diese Art noch viele Sachen ansammeln. Die nächste Stufe ist dann, dass Moe sich hinsetzt und die Sachen komplett im Studio aufnimmt. Dann werden wir an den Arrangements arbeiten und so weiter.

Existiert denn schon eine ungefähre Grundvorstellung, wie groß „MMS“ einmal werden soll?

Da kann noch alles passieren. Also ich denke, wir werden ein nettes Album machen. Im Sinne von, dass da so dreizehn, vierzehn Songs maximal sind. Also keine Überladung. Und ich hoff’ einfach, dass die Leute es fühlen. Ich hab’s ein paar Leuten vorgespielt, die, glaube ich, zu weit weg von diesem Gesangsding waren und darum, glaube ich, war das für die Leute schwer nachzuvollziehen. Das ist ein Album, wo Moe und ich uns die ganze Zeit abwechseln, aber es ist einfach definitiv ein Gesangsalbum und das sind auch R’n’B-Themen. Da sind zwar auch schon ein paar ernstere Sachen drauf, aber da sind einfach auch massig Songs, wo’s wirklich um Herzschmerz und Liebe und so weiter geht. Aber trotzdem auf eine coole und reale Weise. Das ist so, dass auch Jungs sich das anhören können, ohne sich dabei zu schämen. Ich denke, es wird wirklich ein schönes, deutsches R’n’B-Album, was es in der Form definitiv noch nicht so gab. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.

Nun erscheint „John Bello Story III“ ja scheinbar wieder über ein komplett neues Label. Die Frage ist aber, ob es sich überhaupt um ein neues Label handelt oder sind da ganz andere Strukturen vorhanden?

Nein, es ist im Prinzip nur eine Struktur, um das machen zu können, und sie musste einen Namen haben. Und „Essah Entertainment“ steht eigentlich nur für die ganzen Sachen, die mit mir zu tun haben, damit wir halt einen Firmennamen haben, denn wenn wir es weiterhin „Optik“ genannt hätten, wäre das viel zu verwirrend gewesen. Und so ist das auch für uns eine Signalisierung nach außen, dass was Neues los geht und so weiter.

Also ist mit „Optik“ noch gar nicht wirklich abgeschlossen? Im Hintergrund läuft alles noch weiter? Denn die Frage wäre ja dann gewesen, ob noch zum Beispiel Verbindlichkeiten offen stehen?

Nein, wir haben schon auch neue Strukturen erschaffen, aber wir haben auf jeden Fall jetzt nicht unser ganzes altes Team geschmissen und gesagt, dass wir wieder bei Null anfangen, sondern wir haben natürlich die Dinge, die für uns wichtig waren und die seit Jahren schon gut laufen, beibehalten.

Du publizierst über diesen Namen „Essah Entertainment“ nur noch deine Musik. Es wird da jetzt keiner mehr dazu kommen, sodass die Optik-Geschichte von neu anfangen könnte?

Nein, da wird keiner mehr dazu kommen. Wir werden kein Label mehr machen.

Darf man fragen wie viele Mixtapes ihr gepresst habt von der „John Bello Story III“?

Wir haben von der Essah Edition, das ist die große Edition mit Metallbox, 2 CDs, Mütze und den 4 oder 5 „Essah 4 Life“-Karten ,mit denen man lebenslang auf alle meine Konzerte umsonst kommen kann, 7.000 Stück gepresst. Von der normalen weiß ich nicht, wie viele wir da pressen. Die Essah Edition wird wirklich limitiert bleiben, da werden wir nicht mehr als 7.000 Stück pressen – aber auf der normalen halten wir uns nach oben alles offen.