Tobias vom 13.02.2010 17:25
SheMC
»Was Männer dürfen, dürfen wir auch«

SheMC gehört einer bedrohten Art an und steht dabei noch nicht einmal unter Artenschutz des WWFs: SheMC ist eine Rapperin, eine der wenigen, die dies halbwegs erfolgreich tut. Auf dem Weg dahin stieß sie das ein oder andere mal auf den Widerstand und die Ignoranz ihrer männlichen Kollegen und hatte es nicht immer einfach. Wir sprachen mit SheMC über ihr Debüt-Album "Shenesisch für Anfänger", über Sexualität in ihren Texten und was Goethe denn gleich noch mit Rap zu tun hat. Außerdem erfahren wir warum sie auf Kitty Kat neidisch ist - eine sympatische Künstlerin stellt sich und ihre Musik vor.

Zur Diskussion im Forum

Hallo She MC. Erstmal danke für dieses Interview - wie geht's dir?

Mir geht es sehr gut. Danke der Nachfrage.

Am 19.02. kommt dein Solo-Debüt "Shenesisch für Anfänger" raus. Wie klingt shenesisch denn? Was erwartet den Hörer auf deinem Album?

Es ist von allem etwas dabei. Von Rock bis Pop, über Electro und natürlich dem eigentlichen Genre: HipHop. Ich geb' einen Einblick in meine Welt und versuche, so nah wie möglich am echten Leben zu sein. Mal witzig, mal traurig - Höhen und Tiefen - so wie das Leben nun mal ist: Ein Auf und Ab.

In deiner Single behauptest du "Wir haben nicht mehr zu sagen als moderne Sklaven" - wie meinst du das und was war der Grund, so einen Song mit eben dieser Line zu machen?

Nun ja, Leute die schon mal für eine Zeitarbeitsfirma gearbeitet haben, wissen genau was ich meine: Du strengst dich an und machst dich kaputt für so einen Laden. Alles in der Hoffnung, übernommen zu werden. Am Ende sprechen sich die anstellende Firma und die Zeitarbeitsfirma doch ab und verheizen die Leute - und sparen dadurch noch ordentlich Geld. Ich hab's selbst erlebt. Was ich erzähle ist so gewesen und meine alten Arbeitskollegen können das bestätigen: Man hat sogar Angst zu fragen, ob man mal einen Tag frei haben kann.

Du vergleichst also das Arbeiterleben quasi mit dem Sklaventum?

Ja, kann man so sagen. Du machst Überstunden en masse, aber wenn du einmal pünktlich gehst, dann wirst du schief angeschaut. Als hättest du den ganzen Tag Mittagspause gemacht. Aus Angst macht man ja auch jeden Scheiß mit - Überstunden, Wochenendarbeit - der Leistungsdruck. Jeder Mensch möchte bedeutend sein, aber dass man etwas Wert ist, wird einem von der Chefetage nicht mehr vermittelt, man ist eine Nummer, mehr nicht. Zudem machen dich die meisten Vollzeitjobs schon gar nicht mehr satt, weil die Bezahlung die Lebenshaltungskosten nicht mehr deckt. Daher denke ich, dass der Vergleich mit dem Sklaventum passend ist.

Du spielst ja oft mit deiner Sexualität, oder? In Tracks wie "Fass mich an" oder diversen anderen Songs des Albums ist das der Fall. Warum tust du das? Provokation?

Wäre ich ein Mann, hättest du das nicht gefragt. Typen rappen ständig über Sex. Dabei machen die immer den Eindruck, dass sie total untervögelt sind und selber auch mal ran wollen. Nur, dass sie nicht checken, dass man keine Frau rumkriegt, in dem man sie stundenlang als Fotze oder Nutte beschimpft - das ist sexistisch. Das finden wir Frauen nicht sexy.

Aber Rap und Sex gehören zusammen, weil Rap das Leben beschreibt und Sexualität auch etwas Wichtiges ist. Auch für Mütter, wie ich eine bin ... Ich geh das Thema nur anders an, halt aus weiblicher Sicht. In meinen "Sextracks" mache ich mich ja über mich selber lustig - das ist pure Selbstironie. Intelligente Menschen können sicherlich darüber lachen. Und es ist auch Okay, über Sex zu lachen, anstatt sich immer in den Schritt zu fassen und böse zu schauen, wenn das Thema Richtung Sex geht...

"Fass mich an" ist eigentlich auch der einzige echte "Pornotrack" auf dem Album der, so wie ich finde, ja ziemlich durch die Blume gesprochen ist. Ich spreche viele Sachen einfach nicht direkt aus. Ich glaube auf dem ganzen Album sag' ich nicht einmal "ficken" - auch wenn's darum geht. (lacht)

Das tun ja relativ viele Female MC's - hast du keine Angst, dass du dich ungewollter weise in irgendeine Ecke drängst, aus der du schlussendlich nur noch schwer herauskommst?

Nein, ganz und gar nicht! Ich bin eine ganz normale Frau - so ist das Leben und darüber berichte ich. Ich glaube auch, dass ich mit meinen Tracks zu dem Thema nicht mehr wirklich schocke - will ich auch gar nicht. Ich bin noch vom alten Schlag, schau dir doch mal die Kids an: Die haben doch im Grunde schon alles gesehen, da seh' ich mit meinen Erfahrungen zu der Zeit ziemlich blass aus. Und wie gesagt: Was Männer dürfen, dürfen wir auch.



Nickname:
Deine Wertung:
Schnitt: 0
Kommentar:
Sicherheit-
frage:
 = 
Noch keine Kommentare, sei der erste!