Tobias vom 08.02.2010 18:42
Chimperator Records
»Fokussierter Spaß sozusagen«

Seit 1999 lassen die Jungs von Chimperator Records schon "den Affen ‘raus", doch intensiv wahrgenommen wird das Label erst, seitdem die Formation "Die Orsons" ihr erstes Album über das Stuttgarter Label veröffentlichten. Aggro hat ein Loch hinterlassen und somit auch einen Markt aufgerissen, welchen vergleichsweise kleinere Labels wie Chimperator nun nutzen möchten. In diesem Jahr feiert das Label sein 11-jähriges Bestehen relativ groß mit einem Sampler und einer Deutschland-Tour. Wir sprachen zu diesem Anlass mit Maeckes, Tua, Kaas, Plan B, Vasee und dem Mitgründer Sebastian Andrej Schweizer – das komplette Label Line-Up eben, Kodimey ausgenommen. Zur Sprache kommen Themen wie die Geschichte des Labels, die Personalsituation und Vasees Geldprobleme. Außerdem erleidet Tua diverse Nervenzusammenbrüche und Plinch "chillt" exzessiv. Unterhaltsam wie informativ – so wie man Chimperator eben kennt.

Sampler Making Of & Prelistening
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Wir freuen uns, dass wir das ganze Team von Chimperator vor den Bildschirm bekommen haben, da muss diesmal auch niemand 'ne Pappmaske tragen ... Wie geht es euch?

Maeckes: Schlecht.
Tua: Maeckes hat die schlimmste Zahn-OP hinter sich und sieht aus wie TwoFace. Mir geht’s gut.
Kaas: Und ich fühl mich schuldig... Dann kann ja das gut gelaunte Interview hier beginnen.
Plan B: Ich chill.

Warum zieht ihr das 11-jährige Jubiläum von Chimperator so groß auf? Rein chronologisch wäre es doch zum 10-Jährigen sinnvoller gewesen - oder hat man das einfach verpennt?

Maeckes: Zum 10-Jährigen sind wir nicht fertig geworden. Also nicht fertig geworden unsere Tourgage von der Orsonstour zu versaufen. Nicht, dass wir viel verdient hätten, wir vertragen nur wenig.
Tua: Das soll wohl ein Witz sein? Finde ich nicht witzig.
Kaas: Wir wollen mit dem 11-jährigen Jubiläum, das ein Widerspruch in sich ist, auf die Paradoxität des Universums aufmerksam machen. Hinter der Realität verbirgt sich die Wahrheit. Nur Mut Freunde, wir sind bald da.
Plan B: Könnt ihr ein einziges Mal etwas Normales sagen bitte? Das 10-Jährige zu feiern wäre einfach nicht Chimperator gewesen. Alle anderen hätten das 10-Jährige gefeiert. Wir machen immer alles anders. Das ist der Hauptgrund gewesen.

“11 Jahre Chimperator“ das ist wie gesagt das Motto, um das sich das komplette Jahr für euch dreht, oder? Wie fühlt es sich an, mittlerweile über ein Jahrzehnt zu bestehen und welche Erfolge könnt ihr rückblickend verbuchen?

Maeckes: Immer wieder gern genannt: Unser Orsons-Song "Souljah Boy" lief auf Hot97 in ganz Amerika.
Tua: Wir leben noch.
Kaas: Für mich dreht sich das ganze Jahr nur darum mir bewusst zu machen, dass es Jahre gar nicht gibt. Nur den jetzigen Moment. Und der wird sich in Zukunft auf viele wundebare Weisen manifestieren. Durch viel hohe Chartpositionierungen mit Musik, die zum Weltfrieden führt.
Plan B: Ich chill.

Natürlich gibt es auch den "11 Jahre Chimperator" -Sampler. Was erwartet uns auf diesem Sampler?

Maeckes: Rap. Ich für meinen Teil hab ja auf "Null" kaum gerappt. Und bei dem Sampler wollte ich einfach mal wieder gut rappen. Nicht mehr und nicht weniger.
Tua: Ich habe diverse Nervenzusammenbrüche erlebt. Aber das tu ich ja bei jedem Release, das nicht von mir alleine kommt. Und auch bei denen. Eigentlich sogar noch mehr. Ach fuck. Ahhhch. Wartet… Ich glaube, ich habe grade 'nen Nervenzusammenbruch! (rennt aus dem Raum)
Plan B: Chill doch mal Tua.
Maeckes: Das soll wohl ein Witz sein? Finde ich nicht witzig.
Kaas: 3 brandneue Orsons Hits. Wirklich. Ich liebe sie. Klassiker. Und natürlich Solo-Songs von allen. Ich zum Beispiel habe einen Track über einen Beat von Wasi der früher bei den Massiven war.

In den 4 Making Ofs konnte man sehen, dass ihr während des Aufnahmeprozesses auf jeden Fall viel Spaß hattet. Ist das elementar für Chimperator- bzw. Orsons-Releases oder seid ihr in manchen Phasen auch wirklich ernst und fokussiert?

Maeckes: Niemals fokussiert sein. Das erledigen dann andere für uns. Niko, Basti, Steffen zum Beispiel.
Plan B: Also ich krieg oft einen Nervenzusammenbruch.
Tua: (Von der Türe aus) Jaja, Spaß! Hahaha. Selten so gelacht.
Kaas: Immer lustig bei uns, für uns. Fokussiert sind wir da eigentlich ständig parallel zum Spaß. Fokussierter Spaß sozusagen.

Wie kam's denn zur Zusammenarbeit mit den Massiven Tönen? Von denen hat man ja schon ewig nichts mehr gehört.

Kaas: Wir haben einmal so eine Art Hommage an die Kolchose gemacht. Über den original Beat von "Unterschied". Wir haben die Jungs natürlich vorher gefragt, ob das klar geht, und die haben sich sehr gefreut und uns das frei gegeben. Deswegen steht da bei den Credits "Massive Töne". Dann hab ich noch einen Track über einen Beat von Wasi gemacht, was mich unglaublich gefreut hat. Ich glaub' jeder von uns hat Wasi früher richtig gefeiert. Der war Rap-technisch so sehr seiner Zeit voraus … so jemand ist nicht noch mal wieder gekommen. Jedenfalls hatte ich ja schon auf „T.A.F.K.A.A.Z. :D“ den Track „Nichtsnutz 09“, der an seinen Track „Nichtsnutz“ angelehnt war, und Wasi hat sich dann über Facebook bei Basti gemeldet und uns dann ein paar Beats durchgeschickt. Vielleicht machen wir auch noch mehr zusammen … wir werden sehen.

Sprechen wir mal kurz über die Geschichte von Chimperator: Auf der Chimperator-Seite steht unter History nur "Coming soon ..." und auch sonst gibt es relativ wenige Hintergrundinfos zur Entstehung von Chimperator Productions. Wie lief das ganze damals ab? Welche Intentionen hattet ihr, Chimperator zu gründen?

Sebastian Andrej Schweizer: Also bei Wikipedia gibt es einen sehr ausführlichen Artikel über die bisherige Geschichte von Chimperator. Wenn man sich dafür interessiert kann man sich das auf jeden Fall mal in Ruhe durchlesen. In kurz und knapp: Ganz am Anfang, also `99, war das alles sehr aus dem Bauch raus. Wir haben damals nicht wirklich geplant “wir gründen jetzt ein Label”, sondern wir haben Musik gemacht, wollten das raus bringen und haben nach einem Namen und einem Logo dafür gesucht. Das war damals für die Bands “Supreme Techtics” - das Tape “So ist Es” von denen war auch unsere erste Veröffentlichung - dann “Kesselkost” und “Bejone und Vince”. Das war so die erste Intention, wir wollten unsere eigene Musik veröffentlichen. Das hat sich dann langsam aber sicher geändert in “wir wollen gute Musik veröffentlichen”. Ich rappe zum Beispiel nicht mehr. (lacht).

Und wofür steht Chimperator heute? Wo will man mit dem Label noch hin? Das "neue" Signing von Kaas muss ja einen Hintergrund haben, oder?

Sebastian Andrej Schweizer: Heute steht Chimperator für etwas Neues, Freshes ... etwas Umwälzendes, etwas Intelligentes und Schönes ... vor allem für eine Lebenseinstellung. Wir sind anders als der Rest, ohne das betonen zu müssen. Das wollen wir natürlich auch weiter ausbauen. Wir sind jetzt da, wo Aggro 2003 war - uns fehlt nur noch unsere Version von "Mein Block".