EMI Music
»Flohmarkt auf der Abbey Road«
Andre vom 18.02.2010

Der Zebrastreifen auf dem Cover der Platte „Abbey Road“ von den Beatles aus dem Jahre 1996 dürfte wohl jedem bekannt sein. Aus purer Bequemlichkeit hätten die vier größten Musiker der damaligen Generation das legendäre Bild auf dem Streifen gewählt, denn nur einen kurzen Spaziergang entfernt liegt das ebenso legendäre Studio des Musikkonzerns EMI, welches nun, wo die Zeiten für den längst verkommenen Giganten schlecht stehen, verkauft werden soll.



Einem kürzlich publizierten Bericht der britischen Zeitung „Financial Times“ zu Folge sucht das Majorlabel nach einem Käufer für die im Stadtteil Westminster gelegenen Räume, bei deren Betreten man einen Hauch Musikgeschichte verspürt. Denn hier komponierten sie schon alle. Von Eric Clapton über Pink Floyd und eben auch den Beatles. Die im Altbau aufgehängten Fotografien der Besucher zeigen, wer sich hier schon die Türklinke in die Hand reichte.

Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ nannten bereits im vergangenen Jahr einige Bieter EMI ihre Gebote. Frühere EMI-Manager hätten dem Unternehmen rund 40 Millionen Euro für den Verkauf angeboten. Allerdings zeigte sich EMI nur wenig begeistert und Beobachter und Informanten der FAZ sprachen von einem Angebot, dass „zu niedrig“ gewesen sei für den strauchelnden Riesen. Mit welchem potenziellen Verkaufserlös EMI allerdings rechnet, ließ man auch bei der FAZ offen. Ein wie oben genannter Betrag in Höhe von 40 Millionen Euro wäre allerdings wirklich nicht viel mehr als eine Hinauszögerung des bevorstehenden Unglückes, denn der Schuldenberg summierte sich nach den letztlich veröffentlichten Zahlen auf über eine Milliarde Euro (siehe auch EMI – Spiel’ mir das Lied vom Tod).

Jedoch sehen auch Brancheninsider die Situation rund um die Studios in der Abbey Road als schwierig und machen dem Label somit fast all seine Hoffnung zunichte. Denn die Nachfrage für große und außerdem besonders teure Studios ist niedrig. Die meisten Produzenten und Musiker arbeiten heute sowieso schon von zu Hause aus mit ihrem eigenen Computer und einer meist sehr kleinen und viel kostengünstigeren Ausstattung, die sich jedoch kompensieren lässt durch wahre Wunderwerke der Programmierung, für die es keine weiteren Geräte mehr bedarf. Die einzige Idee hinter einem Kauf dürfte also vielleicht der Traditionswert der Studios sein, zu denen noch heute jährlich zahlreiche Besucher strömen, um zum Beispiel den legendäre Zebrastreifen, den einst die Beatles betraten, zu sehen. Der Zugang zu den Studios selbst ist ihnen nämlich bislang verwehrt geblieben.

So werden wohl weitere Investoren wie Terra Firma ihre Wege demnächst klüger wählen und die Abbey Road umgehen. Nur die Musiker selbst scheinen noch Gefallen und Wohlwollen an einem Kauf zu zeigen. Sir Paul McCartney, ehemaliger Beatles, zum Beispiel stellte EMI dieser Tage ein gemeinsames Angebot verschiedener Künstler, die einst in der Abbey Road verkehrten, in Aussicht. EMI äußerte sich bislang nicht zu dieser Offerte.


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