EMI Music
»Spiel' mir das Lied vom Tod«
Andre vom 07.02.2010

Lange schon stehen die Zeichen schlecht für die nationale sowie internationale Musikbranche. Neben den in den letzten Jahren immer weiter gesunkenen Verkaufszahlen von physischen Tonträger und den damit einhergehenden gefallenen Umsatzerlösen, die bislang noch nicht durch das digitale Geschäft gedeckt werden können, werden vielen großen Labels wie nun auch EMI ihre Investoren zum Verhängnis.



Eigentlich klingt doch alles sehr vielversprechend. Bei einem ersten Blick auf den Katalog der Verlagsrechte des englischen Major Labels EMI präsentieren sich große Namen der Branche wie die Beatles, Coldplay, Robbie Williams, Norah Jones, Pink Floyd und die Beastie Boys. Doch trügt der Schein und spätestens seit dieser Woche ist wirklich klar, wie schlecht es um das englische Traditionsunternehmen steht. Zweifel am Fortbestand des Unternehmens schürte nicht zuletzt auch Terra Firma, die EMI-Holdinggesellschaft, mit ihrem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht. „Erhebliche Zweifel“ äußerte man dort am Übleben des kleinsten der vier großen Labels, zu welchen auch Sony, Universal und Warner gehören. Unter dem Strich wies EMI einen Nettoverlust von fast 1,8 Milliarden Euro aus, der hauptsächlich durch starke Abschreibungen auf Verlagsrechte zurückzuführen war. Ingesamt firmiert EMI derzeit auf einem Schuldenberg von knapp 500 Millionen Euro.

Zwar lassen sich derart erschütternde Zahlen bei allen großen Major Labels finden, doch erweist sich der Fall bei EMI als besonders schwer. Ausschlaggebend ist folgender Hintergrund: Nachdem sich EMIs Dynamik bereits auf einem sehr niedrigem Niveau befand sowie die große Fusion mit Warner Music abgesagt wurde, kaufte im Jahre 2007 die damals von Guy Hands gegründete Finanzgruppe Terra Firma EMI auf und verordnete ihr einen harten Sparkurs, mit dem zuvor schon alte Management gescheitert waren. Es fehlte EMI schlichtweg an wahren Talenten und so verbreiteten sich alsbald Gerüchte darüber, dass neun von zehn Künstlern des Labels nicht profitabel arbeiteten. Zwar brachte Guy Hands eine Menge Kapital mit zu EMI, doch wusste man bei Terra Firma auch nicht so wirklich, mit dem Musikriesen umzugehen. Schließlich gehörte unter anderem auch zum Beispiel die deutsche Raststättenkette Tank & Rast zum Kontingent von Terra. Nachdem weitere erfolgslose Sparrunden auch Hands bei EMI verzweifeln ließen, übergab dieser dem Italiener Elio Leoni-Sceti die Führung des Unternehmens. Auch dieser war eher unerfahren im Bereich der Musikbranche, war er doch zuvor Geschäftsführer eines Haushaltsreiniger-Herstellers. So blieben auch die von Sceti verordneten Sparprogramme vergeblich.

Heute zählen diverse Händler der internationalen Finanzmärkte den Kauf EMIs durch Terra Firma zu den größten, machbaren Fehlern und bewerten den damals vereinbarten Kaufpreis, der durch die Hausse auf den Börsenmärkten beeinflusst wurde, als zu hoch. Selbst Hands scheint nicht mehr vollends überzeugt von seiner Entscheidung zum Kauf. Er warf sogar der amerikanischen Bank Citigroup vor, ihn schlecht beraten zu haben bei der Transaktion und verklagte sie anschließend deswegen. Schon war EMI zum Streitauslöser zweier Finanzinvestoren geworden und somit nicht mehr der Musik verpflichtet, sondern den Zahlen.

Aufgrund des Milliardenverlustes sieht sich Terra Firma gezwungen, Kapital bei seinen Gebern einzuholen, um nicht die Kontrolle EMIs an die Citigroup zu verlieren. Überzeugen soll Sceti die Investoren mit einem neuen Geschäftsplan davon, dass EMI Chancen zum Fortbestand besitzt. Dies dürfte auf regen Widerspruch bei den Kapitalgebern treffen, welche schon oftmals Kapital nachschießen mussten. Laut Angaben verschiedener Analysten müsse das Geld bis diesen Sommer fließen, sonst sei es aus für EMI. Die Gespräche zwischen Terra Firma und Citigroup sind soweit eingefroren und keiner der beiden Parteien scheint auf den anderen zugehen zu wollen. Schade, wenn Musik in die Hände gewinnorientierten Handelns fällt.


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